4. Woche
02.08.03 Neunzehnte Etappe Blattniksele - ArvidsjaurNach einer unruhigen Gewitter-Nacht verließen wir bei Regenwolken verhangenem Himmel den Campingplatz. Am Ortsausgang von Blattniksele trafen wir zwei Schweden, die von Kiruna nach Helsingborg fuhren und uns von drei weiteren Nordkap-Fahrern berichteten, die sie in dieser Woche bereits getroffen hatten. Und auch heute blockierte wieder ein Rentier die Straße. Außerdem sahen wir einige, die am Straßenrand nach Futter suchten. Von Zeit zu Zeit ließen die dunklen Wolken, die über uns zogen, ein paar Tropfen fallen. Nach den hohen Temperaturen von gestern, kamen uns die 19°C richtig kalt vor. Zwei Kilometer vor unserem Ziel begann es am Supermarkt in Arvidsjaur richtig zu regnen. Und so erreichten wir nach 109km, 8 Rentieren und 556hm unsere Luxushütte im Camp Gielas.
03.08.03 Zwanzigste Etappe Arvidsjaur - Kåbdalis
Wir begannen den Tag mit einem Frühstück in unserer Luxushütte und deutschem Kinder-fernsehen. Das Thermometer zeigte 17°C, die Sonne lachte und der Himmel war blau. Gegen Mittag wurde es immer wärmer, so dass wir die Ärmlinge ausziehen konnten. Nachdem wir vom einen Tal ins nächste über einige Berge mussten, wurde uns sogar so warm, dass wir gerne noch mehr ausgezogen hätten, aber 15km vor Kåbdalis lohnte sich das nicht mehr. Beim Hüttenbesitzer Johan wurden wir von den Hunden seiner Mutter begrüßt, die uns das Salz von den Beinen leckten. Den letzten der 101km fuhren wir Johans Mutter hinterher, die uns mit dem Auto zu unserer Hütte direkt am Skilift führte. Nach 652hm und 7 Rentieren gönnten wir uns schließlich noch einen Kaffee in unserer Hütte.
04.08.03 Einundzwanzigste Etappe Kåbdalis - Jokkmokk
Nach dem späten Frühstück im verlassenen Skigebiet machten wir uns zu Fuß auf zum örtlichen Lanthandel. Wegen der begrenzten Auswahl kauften wir uns Tunnbröd, eine Mazen ähnliche, schwedische Spezialität und einen uns unbekannten Käse. Hinter Kåbdalis fing es bergig an, bis wir nach 10km eine Hochebene erreicht hatten, die meistens flach war. Über uns hingen einige dunkle Wolken, aus denen es nach der Mittagspause ein wenig tröpfelte. Da gleichzeitig die Sonne schien, erblickten wir bald zu unserer Rechten einen Regenbogen. Nach etwas mehr als 50km und strahlendem Sonnenschein erreichten wir den Polarkreis, wo wir Fotos knipsten und uns Kaffee und Eis gönnten. Von dort waren es nur noch 7km bis nach Jokkmokk, so dass wir insgesamt auf 60km und 267hm kamen.


05.08.03 Ruhetag Jokkmokk
Nach 21 Etappen, 2338km und 10629hm hatten wir uns unseren 4. Ruhetag verdient.
06.08.03 Zweiundzwanzigste Etappe Jokkmokk - Gällivare
Gut ausgeschlafen machten wir uns früh auf den Weg nach Gällivare. Die Karte ließ uns einige Berge am Rande der Strecke erwarten. Nach 30km zogen wir die Regenjacken an, da es zu tröpfeln begann. Bei zunehmendem Regen gelangten wir an den ersten von drei Stau- dämmen, mit den dazugehörigen Stauseen und Wasserkraftwerken. Als wir am ersten Stausee entlang fuhren, tauchte zu unserer Linken ein nasses Rentier auf. Glücklicherweise begannen wir, wie wohl auch das Rentier, bald wieder zu trocknen. Mit der Zeit wurde es immer wärmer, so dass wir unsere Mittagspause im Trockenen verbringen und auch kurz darauf unsere Regenjacken wieder auszogen. So fuhren wir durch den Muddus-Nationalpark direkt auf den Dundret, den 821m hohen Hausberg von Gällivare zu. Die Jugendherberge machte nicht, wie im Buch angegeben, um fünf zu, sondern erst um vier auf, so dass wir noch eine halbe Stunde zu früh ankamen und uns in die Sonne setzten. Bis wir schließlich unser Zimmer beziehen und duschen konnten, hatte es schon wieder angefangen zu regnen. Als es wieder aufgehört hatte, gingen wir in die Stadt, um nach 93km und 520hm, Fischstäbchen und Salat zu kaufen.

07.08.03 Dreiundzwanzigste Etappe Gällivare - Vittangi
Nach einer Nacht im Container mussten wir zunächst unseren Frühstücksjoghurt und unseren O-Saft auftauen, da jemand den Kühlschrank zu hoch eingestellt hatte. Als wir gegen halb zehn losfuhren schien entgegen der Wettervorhersage die Sonne. Der von uns erwartete, starke Verkehr auf der E10, auf der wir heute 75km fahren sollten, blieb aus, dafür aber gab es reichlich Berge auf den ersten 30km. 5km vor unserer Mittagspause in Lappeasuanto mussten wir mal wieder durch einen Regenschauer. Bevor wir die Straße nach Kiruna verließen, tröpfelte es noch ein wenig, aber danach blieben wir für die letzten der 107km trocken. An diesem Tag überwanden wir 460hm, die ersten 300hm davon auf den ersten 30km. Als wir Trollsparvens Campingplatz erreichten, war unsere Hütte Nr.9 bereits an Bonner vergeben, so dass wir uns den Schlüssel für die doppelt so teure Hütte Nr.5 mit Dusche, WC und Küche nehmen mussten. Beim Bezahlen entschuldigte sich der Platzbesitzer für die Doppelbuchung und gab uns die Luxushütte zum halben Preis, in der wir bereits das Kinderzimmer in einen Torkrum umgewandelt hatten.
08.08.03 Vierundzwanzigste Etappe Vittangi - Karesuando
Als wir bei strahlend blauem Himmel in unserer Hütte erwachten, freuten wir uns auf den letzten Tag in Schweden. Unsere Freude wurde getrübt, als wir bei 14°C und Gegenwind auf die 45 einbogen. Um aus dem Torneälvental heraus zu kommen, mussten wir erst einige Höhenmeter überwinden. Mit der Zeit ließen die Berge nach und in Övre Soppero kehrten wir bei der Kirchengemeinde ein, wo wir bei christlicher, schwedischer Popmusik einen Hotdog mit Pommes verspeisten. Da die Straße dann leicht in die entgegengesetzte Richtung verlief, ließ der Gegenwind nach und wir kamen besser voran. Nach und nach kam auch immer mehr die Sonne zum Vorschein, aber es wurde nicht viel wärmer. Auch ein leichter Nieselregen konnte unsere Fahrt zur nördlichsten Jugendherberge Schwedens nicht aufhalten. Nach 106km und 389hm dort angekommen, war die Rezeption nicht besetzt und wir mussten den Herbergsvater per Handy herbeirufen. Schließlich waren wir fast die einzigen Gäste in der Jugendherberge.

Auf unseren 19 Etappen von Trelleborg bis an die finnische Grenze legten wir
2042km zurück. Die meiste Zeit hatten wir Sonnenschein und wurden vom Südwind
nach Norden getrieben. Auf das Wetter angesprochen meinten viele Schweden, dass
dies ein außer-gewöhnlich warmer Sommer sei. Bis auf wenige Ausnahmen
waren alle Jugendherbergen und Campingplätze empfehlenswert und sauber.
Das beste Frühstück und einzige Zimmer mit Dusche, WC und Fernseher
gab es in Norrahammar. Die einzigen Unterkünfte, die uns negativ auffielen,
waren Gällivare und Blattniksele. In Gällivare hausten wir mit einem
Alkoholiker in einem versifften Container. Blattniksele war von polnischen Anglern
besiedelt, die sich nicht fürs Saubermachen verantwortlich fühlten.
Die schwedische Landschaft hat uns immer wieder positiv überrascht und
war im Großen und Ganzen abwechslungsreich und wunderschön. Wir trafen
auf klare, dunkelblaue Seen, große, beeindruckende Flüsse, grüne
Wälder und Wiesen. Leichte Berge wechselten sich mit langgezogenen Tälern
und Ebenen ab. Am besten gefiel uns das Jämtland, Dalarna und Lappland.
Die schwedischen Straßen waren fast alle sehr gut zu befahren, es herrschte
meist wenig Verkehr, nur im Norden sollte man auf größeren Straßen
bleiben, damit man nicht auf Schotterpisten landet. Leider haben wir keine Elche
in freier Wildbahn gesehen und auch kein Elch-Warnschild fotografieren können,
dafür sind wir aber einigen Rentieren begegnet. Da viele Schweden Englisch
oder Deutsch sprachen, gab es keine Verständigungsprobleme und wir fanden
oft nette Gesprächspartner.