4. Woche

09.08.03 Fünfundzwanzigste Etappe Karesuando - Enontekiö

Während wir uns mit Kuh-Käsebrot begnügen mussten, gingen die anderen Gäste der Jugendherberge ins gegenüberliegende Hotel zum Frühstück, welches es laut Herbergsvater eigentlich nicht geben sollte. Kurz bevor wir losfahren wollten nieselte es noch einmal. Der Wind war noch stärker als am Tag zuvor, aber da wir in Finnland Richtung Osten fuhren, hatten wir ihn für 40km im Rücken. Von Zeit zu Zeit kamen immer wieder kurze Schauer, die bei dem kalten Wind und Temperaturen um 14°C nicht sehr angenehm waren. Ab Palojoensuu fuhren wir nach Norden, was bedeutete, dass der Wind von schräg-vorne kam. Plötzlich tauchten am rechten Fahrbahnrand zwei Rentiere auf, die so zahm waren, dass sie nicht gleich wegliefen und wir sie fotografieren konnten. Das weiße Rentier dagegen, das wir kurz vor Hetta sahen, war schnell wieder im Gebüsch verschwunden. Nach 69km und 268hm konnten wir schließlich in eine echte finnische Sauna gehen. Nachdem wir zu spät zum Essen im Hotel kamen, suchten wir uns ein Restaurant. So kamen wir ins Ounasrysä, wo wir uns eine Pizza bestellten. Während wir aßen, begann der Wirt die Karaoke-Anlage aufzubauen und finnische Schlager zu singen. Unterstützt wurde er dabei von den angetrunkenen Dorfbewohnern. Nach dem Essen stellten wir fest, dass beide Uhren des Lokals falsch gingen. Da auch die Rathausuhr eine Stunde vorging, beschlossen wir im Hotel nachzufragen. So erfuhren wir von der Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland und stellten den Wecker früher, um nicht auch noch das Frühstück zu verpassen.


10.08.03 Sechsundzwanzigste Etappe Enontekiö - Kautokeino

Als wir um 6 Uhr durch den Lärm der finnischen Orientierungsläufer geweckt wurden, scheinte noch die Sonne und es war windstill. Also entschlossen wir uns zum frühen aufbrechen. Nach einem ausgiebigen finnischen Frühstück verließen wir bei mittlerweile wieder starkem Gegenwind Enontekiö. 10km vor der Grenze zu Norwegen tranken wir zum Aufwärmen und Stärken noch einen Kaffe. Nachdem wir die Grenze überquert hatten, verschwanden auch die letzten kleinen weißen Wolken und wir fuhren durch die Tundra-Landschaft der Finnmark. Die Straßen verliefen ein wenig im Zickzack und die Sonne brannte, obwohl es nur 12°C waren. Mit der Zeit ließ der Wind nach und so kamen wir schon um halb vier in Kautokeino an. Wir luden unser Gepäck ab und machten uns auf zu Juhls Silvergallery. Dort erhielten wir eine Führung durch die verschiedenen Teile des Gebäudes und bewunderten Silberschmuck, Teppiche und andere Kunstgegenstände. An diesem windigen Tag legten wir 80km und 300hm zurück.


11.08.03 Siebenundzwanzigste Etappe Kautokeino - Alta

Als um 6 Uhr der Wecker klingelte, zeigte das Thermometer 15°C. Nachdem wir es nach draußen gelegt hatten, zeigte es nur noch 6°C. Als sich der Nebel verzog und die Sonne heraus kam, machten wir uns auf den Weg. Bis nach Masi führte die Strecke auf und ab durch das schöne Tal des Kautokeinoelva. Meist hatten wir freien Blick auf den Fluss, der von Seen unterbrochen wurde. Kurz vor Masi konnten wir sogar einen Wasserfall betrachten. Die nächsten 20km führten über eine Anhöhe in ein benachbartes Tal. In diesem kleinen Tal fuhren wir mehr oder weniger eben direkt an einem kleinen Fluss entlang, der von hohen Bergen eingeschlossen wurde. Das Tal wurde schließlich immer enger und steiler und ging in eine Schlucht über mit mehreren hundert Meter hohen Felswänden. Nach 6km verließen wir 200m tiefer die beeindruckende Schlucht. Dies war der imposanteste Streckenabschnitt der bisherigen Tour. Kurz vor Alta fühlten wir uns um über 1000km in den Süden versetzt, da die Tundra-Landschaft der vergangenen Tage grünen Wiesen, vielen Blumen und hohen Bäumen wich. So erreichten wir nach 136km und 670hm Alta und damit das Meer.


12.08.03 Ruhetag Alta

Da es regnete, kalt war, die coop-Fahnen Gegenwind versprachen und die E6 stark befahren war, beschlossen wir mit der Fähre nach Hammerfest zu fahren und nahmen unseren Ruhetag in Anspruch. So konnten wir auch unsere Fahrradklamotten waschen. Als der Regen nachmittags nachließ, unternahmen wir einen fast 10km langen Spaziergang zum Fähranleger. Danach mussten wir uns erst mal wieder entspannen.


13.08.03 Fährfahrt von Alta nach Hammerfest

Da um 7 Uhr die Fähre fuhr, mussten wir bereits um halb sechs aufstehen. Die netten Crewmitglieder ließen uns zum Kindertarif von 210 Kronen für uns beide mit der Schnell-
Fähre mitfahren. Mit einer Geschwindigkeit von 32 Knoten heizten wir durch die beeindruckenden Fjorde. Trotz der drei Zwischenstopps waren wir schon um viertel vor neun in Hammerfest, wo wir eher zufällig zur Meridiansäule kamen. Nachdem wir den Berg zum Campingplatz hochgestrampelt waren, gönnten wir uns erst einmal ein kleines Nickerchen in unserer sehr kleinen, baufälligen Hütte.

Hammerfest

14.08.03 Fährfahrt von Hammerfest nach Honningsvåg

Der Wecker klingelte heute schon um 5 Uhr. Wenn wir gewusst hätten, dass die Fähre mit einer halben Stunde Verspätung ausläuft, hätten wir eine halbe Stunde länger geschlafen. Da wir so früh waren, hatten wir das Panoramadeck fast ganz für uns alleine. Es füllte sich erst mit Rentnern, als wir gegen 9 Uhr der südwärts fahrenden M/S Finnmark begegneten. Die Fahrt führte durch verschiedene Fjorde über Havoysund nach Honningsvåg, wo wir doch pünktlich um viertel vor zwölf ankamen.

14.08.03 Achtundzwanzigste Etappe Honningsvåg-Nordkap-Honningsvåg

Als wir um halb zwei den Campingplatz erreichten, war unser Zimmer noch nicht geputzt, wir durften aber unser Gepäck abladen und uns für die Fahrt an das Nordkap umziehen. Hinter unserem Campingplatz ging es gleich für 6km mit 9% den Berg hinauf. Bevor wir dann von über 300m wieder fast auf Meereshöhe hinunterfuhren, ging es mehrmals hoch und runter. Die letzten 13km zogen sich mehr oder weniger steil den Berg hoch. Das erste, was wir nach 35km und 700hm vom Nordkap sahen, war ein Schild mit dem Hinweis, dass gleich eine Gebühr von 185 NOK pro Person zu entrichten sei. Als weit angereiste Radfahrer durften wir kostenlos die Kassenhäuschen passieren. Zuerst trugen wir uns in der Nordkaphalle in das Radfahrer-Gästebuch ein. Dann sind wir erst einmal zur Weltkugel, die von nahem eigentlich hässlich ist und haben Fotos gemacht. Nachdem wir im Souvenirladen Karten gekauft und mit Blick auf die Kugel gevespert haben, machten wir uns auf den Rückweg. Am Parkplatz trafen wir Helga aus der Südpfalz, der wir bereits in Kautokeino begegnet waren. Auf der Rückfahrt durch eine karge Landschaft, in der fast nur Gras wächst, begegneten wir wie auch auf der Hinfahrt vielen Rentieren, die dort im Sommer weiden. Nach 2994km und 28 Etappen konnten wir nun unser Fahrrad endlich in die Ecke stellen. Diese letzte Etappe war mit 1218hm auf 62km unsere bergigste. Insgesamt überwanden wir auf unserer Tour 14.454hm.



15.08.03 Ruhetag Honningsvåg

16.08.03 Flug von Honningsvåg nach Tromsø

Unsere letzte Nacht am Nordkap endete bereits um halb fünf. Nach einem Joghurt machten wir uns auf den Weg zum 6km entfernten Flughafen. Dort machten wir unsere Fahrräder und unser Gepäck flugbereit und beobachteten wie unser kleines Propellerflugzeug landete. Mit zwanzig Minuten Verspätung starteten wir Richtung Hammerfest, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegten. Danach ging es weiter nach Tromsø, wo wir uns, nachdem wir die Fahrräder wieder fahrtauglich gemacht hatten, einen Kaffe gönnten. Weil wir nicht durch den Tunnel fahren wollten, mussten wir über den Berg ins Zentrum von Tromsø fahren. In der Fußgängerzone erwartete uns das Internationale Food Festival mit nur vier Ständen und der Zieleinlauf des Tromsø Kraftprøven. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Moderator der Veranstaltung, erzählte er von uns und unserer Tour und machte Werbung für unseren Radmarathon. Nachdem Volker dort von einer Wespe in den Hals gestochen wurde, machten wir uns auf den Weg ins Polaria. Wir kamen gerade noch rechtzeitig zur Bartrobben-Fütterung. Nach einem Film über Spitzbergen konnten wir noch verschiedene Tierarten der Barentssee bewundern. Anschließend fuhren wir über die Hafenbrücke zum Campingplatz, wo auch dutzende Samen wohnten, die zu einem Fest in ihrer Tracht angereist waren. Diese schlenderten mit zunehmender Uhrzeit immer angetrunkener an unserer Hütte vorbei.


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